Dass der Klimagipfel in Kopenhagen gescheitert ist, muss ich hier sicher nicht ausführlich breit treten. Das haben andere bereits getan. Ebenso zu den Begleiterscheinungen der Veranstaltung, wie den ungeheuren Menschenrechtsverletzungen der dänischen Polizei gegenüber friedlichen Demonstranten. Warum der Gipfel scheitern musste, ist auch schon vielfach beleuchtet worden. Neben den organisatorischen Mängeln und dem fast schon unmöglichen Unterfangen Verhandlungen unter fast 200 Staaten zu koordinieren, musste der Gipfel allein schon deshalb scheitern, weil es in Kopenhagen nicht um Klimaschutz ging. Es ging vor allem um Macht, Machterhalt, wirtschaftliche Vorteile und um die strategische Positionierung einzelner Staaten in einer sich verändernden Welt.

Mich hat das Geschachere um Emissionsreduktionsziele sehr an die Abrüstungsverhandlungen während des Kalten Krieges erinnert, welche damals die Friedensbewegung mobilisiert haben. Die damalige Zurschaustellung militärischer Stärke kann heute vielleicht mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verglichen werden. Wenn damals die Stationierung von Mittelstreckenraketen den Gegnern Angst eingejagt hat, treiben heute die wirtschaftlichen Expansionsraten Chinas und Indiens den Europäern und Amerikanern den Schweiß auf die Stirn. Damals ging es um die Abrüstung von Atomwaffen, heute geht es um die Reduktion von Treibhausgasen – womit allerdings negative Wachstumsraten gleichgesetzt werden. Es ist leider immer noch so: Wer CO2 emittieren darf, dem ist wirtschaftlicher Wohlstand gewiss. Ungeachtet dessen fordert die weltweite Klimaschutzbewegung die “Abrüstung” von Treibhausgasen. Und deshalb setzen Klimaschützer auch so viele Hoffnungen in Klimagipfel à la Kopenhagen. Das Ziel: Die Industrienationen reduzieren ihre Treibhausgase auf ein erträgliches Maß, die Entwicklungs- und Schwellenländer werden mit der richtigen Klimaschutztechnik versorgt, die südlichen und küstennahen Staaten erhalten Finanzhilfen zur Anpassung an den Klimawandel und gemeinsam vereinbart man konkrete Maßnahmen um die globale Erwärmung auf max. 2 Grad zu begrenzen. Das Wichtigste daran ist: Alle beteiligten Staaten müssen gemeinsam handeln! Während der Minimalkonsens der Friedensbewegung Anfang der 1980er auf “Verhinderung der Nachrüstung” abzielte und die Abrüstung in beiden Blöcken anstrebte, forderten Teile der Friedensbewegung auch die “einseitige Abrüstung” – ohne darauf zu warten, dass sich die andere Seite bewegt.

Wäre das nicht auch was für die weltweite Klimaschutzbewegung? Einseitige CO2-Reduktion? Wieviele ergebnislose Klimagipfel kann der Planet eigentlich noch überstehen? Vergesst Klimakonferenzen! Ist es nicht an der Zeit, dass jeder Staat die Klimaschutzleistungen erbringt, zu denen er tatsächlich fähig ist? Jedes Land muss alles in  seiner Macht stehende tun, um den Klimawandel zu begrenzen. Doch leider wird das eigene Handeln von den Taten anderer anhängig gemacht. Und das ist auch der eigentliche Grund für die Veranstaltung von Klimakonferenzen: Gegenseitige Kontrolle statt gemeinsames Handeln!

Nachdem Kopenhagen 2009 nun gescheitert ist, ruhen alle Hoffnungen auf den Klimakonferenzen 2010 in Bonn und Mexiko. Doch für mich sind diese Orte im nächsten Jahr keine Orte der Hoffnung auf eine bessere Klimaschutzpolitik, sondern Orte des Protestes. Protest gegen CO2-Poker und gegen das Gefeilsche um Finanzhilfen. Vor allem aber Protest gegen die Hinhaltestrategie “gemeinsamer” Vereinbarungen.