Ich habe ja hier schon einiges über das Greenwashing z.B. von RWE geschrieben. Doch auch die lokal ansässigen Energieversorger versuchen mehr und mehr ihr Image aufzupolieren. Der Termin zum Ablauf der Energieversorgungsverträge hier in der Stadt rückt immer näher. Zeit also, sich für den ein oder anderen Interessenten zu positionieren. Und die Gunst der EntscheiderInnen gewinnt man doch am ehesten über das Herz der BürgerInnen. So präsentiert sich z.B. die ELE, obwohl als RWE-Anhängsel selbst bei der Stadtspitze wohl eher chancenlos, in der letzten Zeit häufiger als Wohltätigkeitsverein. Sei es beim ehrenamtlichen Engagement für die Tafel oder beim Anstrich einer Kita. Seit Oktober dieses Jahres gibt es die neue Initiative “ELE packt an”.

Zugegeben: Dass die ELE den Sport und Familienspaß unterstützt  ist ja nichts Neues. Dadurch lassen sich die neuerlichen Barmherzigkeiten in dieser Tradition mit einem einfachen “das haben wir doch schon immer gemacht” herrlich begründen. Bitte nicht falsch verstehen, ehrenamtliches Engagement ist eine tolle Sache und dass die ELE die Ärmel für die Menschen in der Region hochkrempelt ist wirklich lobenswert. Und den ehrenamtlich engagierten MitarbeiterInnen der ELE nehme ich den guten Willen auch vollkommen ab. Dennoch glaube ich, dass die Unterstützung durch die Geschäftsleitung nicht völlig uneigennützig geschieht.

Da sich die ELE also im Bereich „Soziales“ breit macht, bedient Konkurrent Gelsenwasser die Ökoschiene und sattelt erneut das Zugpferd „Klimaschutz“: Nach dem erfolgreichen Start als vermeintlicher Öko-Strom-Lieferant mit uralten abgeschriebenen österreichischen Wasserkraftwerken, will Gelsenwasser nun die klimaneutrale Logistik. Wie die WAZ berichtet verschickt der Konzern ab sofort seine Briefe mit „GoGreen“ von Deutschen Post. Der CO2-Anteil am Postversand über „GoGreen“, wird durch den Kauf von Emissionszertifikaten aus Klimaschutzprojekten der Deutschen Post ausgeglichen. Gegen ein bißchen Klimaschutz beim Postversand ist ja nichts einzuwenden. Doch für einen angeblich waschechten Ökostromanbieter ist es doch irgendwie niedlich. Gelsenwasser sollte lieber mal darüber nachdenken, wie der Konzern den realen Ökostrom-Anteil am gesamten Energiemix erhöhen könnte, anstatt billig eingekauften Kohle- und Atomstrom mittels RECS bzw. durch östereichisches Wasser reinzuwaschen.

Konsequenter verfährt die Deutsche Bahn bei ihrem neuen Tarif für Geschäftskunden. Um das CO2-freie Bahnticket anbieten zu können kauft die Bahn nicht etwa Verschmutzungsrechte. Nein, die Bahn berechnet den Stromverbrauch, der bei der jeweiligen Fahrt des Kunden anfällt im Voraus und kauft dann die entsprechende Menge klimafreundlichen Ökostrom.

Doch ob Greenwashing hier oder bürgerschaftliches Engagement dort: Die ELE bleibt RWE und aus Gelsenwasser wird kein Naturschutzverein. Und die Bahn? Ja die Bahn… ist auf keinem schlechten Weg, könnte sich aber durchaus mehr trauen.